Übrigens – Ihr Kind beißt andere Kinder!

Wie gehst du mit den Eltern des „Beißers“ um?

 – Hier geht´s zu den Vorgänger-Artikeln „Hilfe, wir haben einen Beißer!“ und „Gebissen – wie sage ich es nur den Eltern?“

Heute geht es noch ein letztes Mal um das Thema „beißen“.

Wir haben uns mit Kindern beschäftigt, die beißen und mit den Eltern des gebissenen Kindes. Abschließend richten wir unsere Aufmerksamkeit nun auf die Eltern des beißenden Kindes und wie du mit ihnen sprechen kannst. Los geht´s und viel Spaß dabei!

Gebissen! Kind weint, weil es gebissen wurde

„Was ist denn zuhause los?“

Als meine Tochter klein war, habe ich von einer ihrer Erzieherinnen mal die Frage gestellt bekommen, was denn bei uns zuhause los sei, weil meine Tochter in der Kita viel geweint hat. 

Ich war damals zum einen noch echt jung, hatte wenig Erfahrung und war – irritiert. Denn zuhause war alles gut. Ich erlebe oft, dass hier ein Missverständnis vorliegt. Denn wenn ein Kind in der Kita weint, haut oder beißt, dann passiert das ja in der Kita. 

Natürlich können Erlebnisse zuhause auf das Kind einwirken und in der Folge braucht es in der Kita vielleicht mehr Zuwendung oder Unterstützung oder was auch immer. 

Nur wenn das Kind in der Kita beißt, bedeutet das ganz einfach, dass die Bedingungen in der Kita dem Kind nicht entsprechen. Dass die Bedürfnisse des Kindes in der Kita nicht ausreichend gesehen werden. 

Natürlich ist es manchmal herausfordernd, die Bedürfnisse aller Kinder in der Kita zu erkennen und zu bedienen. 

 

Die Eltern können es nicht wissen!

Dennoch können die Eltern die Frage, warum das Kind beißt nicht beantworten. Denn sie sind ja noch nicht einmal dabei wenn das Kind in der Kita beißt. Wenn du also das Gespräch mit den Eltern des Beißers suchst, dann ist es wichtig darauf zu achten, dass die Eltern nicht das Gefühl bekommen, „schuld“ daran zu sein, dass ihr Kind beißt. 

Gleichzeitig ist es ganz vielen Eltern auch wahnsinnig peinlich und unangenehm, wenn ihr Kind beißt. Deshalb gilt es hier, den Eltern die Sorge zu nehmen und sie zu beruhigen und ihnen das Gefühl zu vermitteln, dass das viele Kinder phasenweise tun und dass ihr Kind nicht „schlecht“ ist und dass sie als Eltern nichts falsch gemacht haben. 

Hilfreich wären hier Techniken wie paraphrasieren oder auch Aktives Zuhören, denn Eltern, die erstmalig damit konfrontiert werden, dass ihr Kind beißt, werden verunsichert, gestresst, etc. sein. Wenn die Eltern sich wieder gefangen haben, geht es darum, gemeinsam zu überlegen, wie das Kind unterstützt werden kann. 

Hör den Eltern zu, beruhige sie, nimm ihre Sorgen ernst und mache deutlich, dass du dich mit den Eltern gemeinsam auf die Suche machen willst, wie ihr dem Kind helfen könnt und was es braucht. Dabei hilft es, sowohl über die Situation in der Kita als auch über zuhause zu sprechen. 

 

Nimm Druck raus

Für Entspannung für alle Beteiligten zu sorgen ist so unendlich bedeutsam, denn wenn die Eltern zuhause anfangen Druck aufzubauen und dem Kind einzubläuen, dass es nicht beißen darf, erreichst du sicher keine Verbesserung der Situation. 

Wie im vorletzten Artikel (Hilfe – wir haben einen „Beißer) beschrieben, sind Kinder die beißen sowieso schon verunsichert und ziehen mit dem Beißen sozusagen ihre letzte Waffe. Wenn diese Kinder nun auch noch zusätzlich in Frage gestellt oder kritisiert werden, werden sie das Beißen eher intensivieren als einstellen.

 

So fühlt sich der „Beißer“

Und ich hatte zum Beispiel auf den letzten Artikel eine Rückmeldung einer Leserin, die beschrieben hat, wie scheußlich es sich für sie angefühlt hat, dass sie als „Beißer“ hingestellt wurde, obwohl ein anderes Kind sie im Vorfeld so lange drangsaliert hat, dass sie selbst gar keinen anderen Ausweg gesehen hat, als zu beißen. 

Sie hatte das Glück, dass ihre Eltern ihr geglaubt haben, nur wenn das nicht passiert, steht das Kind ganz schön alleine da.

 

Der „Klassenclown“

Behalte auch immer die Dynamik in der Elternschaft Hinterkopf. Bestimmt hast du auch schon erlebt, wie andere Eltern ein „Beißkind“ oder auch dessen Eltern meiden oder isolieren indem sie den eigenen Kindern den Kontakt ausreden o.ä. 

Deshalb ist es wichtig den Blick darauf zu lenken, dass das Kind das beißt oft stellvertretend für viele anderen aufzeigt, dass die eigenen Bedürfnisse in der Kita nicht ausreichend erfüllt werden. 

Du kannst das beim sogenannten Klassenclown beobachten. Wenn dieser aus welchen Gründen auch immer die Klasse verlässt, dauert es in der Regel nur wenige Wochen, bis ein anderes Kind die Rolle des Clowns einnimmt. 

Und genauso verhält es sich mit einem „Beißer“. Nehmt deshalb ein regelmäßig beißendes Kind zum Anlass, über die Tagesstruktur und die Alltagsgestaltung in der Kita nachzudenken. 

Wie bedürfnisorientiert ist euer Alltag wirklich? Wieviel Autonomie also Selbstständigkeit ermöglicht euer Alltag den Kindern? Denn häufig geht regelmäßiges Beißen bei älteren Kindern damit einher, dass Kinder etwas im Alltag unfair oder ungerecht finden. Es ist oft auch ein Zeichen dafür, dass Kinder mehr mit einbezogen werden wollen. 

 

Du bist die neutrale Instanz

Im Unterschied zu den emotional verstrickten Eltern des gebissenen wie des beißenden Kindes bist du als Fachkraft in einer neutraleren Position. Deshalb würde ich mir wünschen, dass du so entspannt wie möglich in diese Gespräche gehst und alles daran setzt, das beißende Kind von niemanden verurteilt oder kritisiert wird. 

Denn schließlich ist das beißen im Moment seine beste Option. Und alle Erwachsenen gemeinsam müssen einen Rahmen schaffen, in dem das Kind ein neues Verhalten erlernen kann.

 

Alle zusammen erschaffen die Lösung

Wenn ihr euch alle gemeinsam bewusst werdet, dass das beißende Kind gerade das schwächste Glied eurer Gemeinschaft ist, dann könnt ihr zusammen beginnen diesem Kind gut zu tun und es wohlwollend und liebevoll begleiten. 

Denn dann wird aus diesem Kind ganz federleicht ein selbstbewusstes, ein gestärktes Kind! 

So das waren meine Gedanken zum Thema „beißen“. Ich hoffe du konntest die ein oder andere Idee daraus mitnehmen, freue mich natürlich immer über dein Feedback und wünsche dir vor allen Dingen einen wundervollen Start in die neue Woche! 

Und allen Mamas und Papas von Schulkindern in RLP oder Hessen wünsche ich einen guten Start in das neue Schuljahr! 

Lass dein Glück strahlen und alles Liebe für dich!

Deine Uli

Danke 🙂

…dass du dir die Zeit genommen hast, meinen Artikel zu lesen.

Hat er dir gefallen? Hast du eigene Erfahrungen dazu, oder eine Frage? Dann schreib´ uns hier in die Kommentare, das würde mich riesig freuen!

Und denk immer daran: Wenn die Erzieher glücklich sind, geht es den Kindern gut. Und gemeinsam schaffen wir eine Welt, in der es sich zu leben lohnt!

Ich wünsche Dir noch einen wunderschönen Tag!

unterschrift-uli

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