Die Kita für alle – Wie Inklusion gelingt

 

Hallihallo und herzlich Willkommen zum Artikel von dieser Woche!


So schön, dass du wieder dabei bist. Vielen lieben Dank auch für all euer Feedback, eure lieben Mails und Rückmeldungen. Wir freuen uns so sehr darüber!

Und wir sind noch ganz erfüllt, begeistert, dankbar von dem ersten Stressfrei Seminar gestern. Es hat so Spaß gemacht und die Teilnehmer waren einfach wundervoll! Danke an alle die dabei waren! Das nächste Mal findet das Seminar übrigens am 5. Mai statt und du darfst gespannt sein.

Sobald Bernd das Videomaterial geschnitten hat, werden wir erste Eindrücke veröffentlichen. Wer so lange nicht warten mag, kann uns gerne bei Facebook besuchen, da gibt es schon ein paar Schnipsel. Doch nun kommt erstmal der Artikel von heute, inspiriert von einer Teamfortbildung, die ich vor Kurzem zu dem Thema gegeben habe:

 

Bei Inklusion denken ja viele erstmal an die gemeinsame „Betreuung“ von Kindern mit und ohne Handicap oder Beeinträchtigung. Viele Fachkräfte stellen sich dabei die Frage, wie denn personell dieser Kraftakt zu leisten sein soll. 

Dabei geht es nicht nur um Kinder mit einer Behinderung sondern auch um Kinder mit besonderen Verhaltensweisen. So werde ich immer wieder dazu befragt, inwieweit ich denke, dass dieses oder jenes Kind in der Regelkita betreut werden könnte.

Das sind sicherlich Fragen, die gerechtfertigt sind und beantwortet werden müssen.

Inklusion - Integration - Exklusion - Grafik

Allerdings geht der Begriff der Inklusion weit darüber hinaus. Deshalb werde ich hier im ersten Schritt erstmal die Begriffe klären, um dann einen Ausblick zu geben, wie Inklusion gelingen kann.

 

Integration und Inklusion – eine Begriffsklärung

„Integration bedeutet Duldung, Inklusion ist Zugehörigkeit.“ 

D. Katzenbach, Erziehungswissenschaftler, Uni Frankfurt

 

Integration

Das Konzept der Integration geht davon aus, dass es eine relativ homogene Mehrheitsgruppe in der Gesellschaft gibt und eine kleine Randgruppe, die in die Gesellschaft integriert werden muss. 

Das sind dann beispielsweise Kinder, die Deutsch als Muttersprache gelernt haben und eine Randgruppe an Kindern mit anderen Erstsprachen. Das Ziel der Integration besteht darin, die Kinder an den gesellschaftlichen Standard anzupassen. 

Also beispielsweise zu überlegen, wie möglichst alle Kinder möglichst schnell deutsch lernen. Die Integration gilt als gelungen, wenn alle Menschen integriert sind, sich also an die gesellschaftlichen Standards der Mehrheitsgruppe angepasst haben. 

Neben Kindern mit Sprachbarrieren oder Handicaps gibt es in Kitas beispielsweise auch offene oder verdeckte Standards im Bezug auf „normal“ entwickelte Kinder. Kinder, die diese Standards nicht erfüllen gelten als „auffällig“ und das Bestreben der Fachkräfte besteht darin, diese „auffälligen“ Kinder so schnell wie möglich zu „normalen“ Kindern zu werden. 

Denn nach dem integrativen Grundgedanken können nur jene Kinder vollwertige Mitglieder der Gesellschaft werden, die bereit sind, sich an die geltenden Standards anzupassen.

Wer integrativ arbeitet eruiert in der Kindergruppe den Förderbedarf der einzelnen Kinder und bildet entsprechende Kleingruppen um die Kinder entsprechend zu fördern.

„Fühlt im Herzen nur Liebe für andere. Je mehr ihr das Gute in ihnen seht, umso mehr werdet ihr euch selbst zum Guten ändern.“

Inklusion

Das Konzept der Inklusion geht dagegen davon aus, dass Inklusion ein Menschenrecht ist und folglich die Grundlage jeder Gesellschaft zu sein hat. Die Grundidee dieses Konzepts sieht Gesellschaften grundsätzlich als heterogen an und bezieht alle Menschen mit ihrer individuellen Verschiedenartigkeit gleichermaßen ein. 

Denn Inklusion meint Zugehörigkeit und ist das Gegenteil von Ausgrenzung. In einer inklusiven Gesellschaft ist jeder willkommen und niemand wird aus welchen Gründen auch immer ausgegrenzt. Ganz im Gegenteil: Jeder Mensch ist mit seinen individuellen Fähigkeiten und Eigenschaften ein wertvolles Mitglied unserer Gesellschaft. 

Das bedeutet, dass die Begriffe von „normal“ und „falsch“ ihre Berechtigung verlieren und es vielmehr darum geht, wie sich Gesellschaft an die Verschiedenartigkeit ihrer Mitglieder anpassen muss. 

 

Inklusion im Kita-Alltag

Für den Alltag in der Kita bedeutet das, dass nicht die Kinder sich an vorgegebene Strukturen anzupassen haben, sondern wir Fachkräfte überlegen dürfen, welche Alltagsgestaltung den Kindern, die jetzt in der Kita sind, gut tut.

Sind beispielsweise viele Kinder mit Fluchthintergrund in der Kita, müssen die Fachkräfte überlegen, wie diese Kinder wieder Vertrauen erlernen können und wie wiederkehrend der Alltag gestaltet sein muss, damit die Kinder sich trotz Sprachbarriere zurechtfinden können. 

Eine Kita, die inklusiv arbeitet, kann keine Angebote für alle Kinder anbieten, da niemals alle Kinder den gleichen Entwicklungsstand aufweisen und es somit niemals ein Angebot geben kann, das allen Kindern entspricht. 

 

Integration und Inklusion am Beispiel Stuhlkreis

Ich glaube jeder kennt Situationen, in denen es Kindern schwerfällt, am Stuhlkreis teilzunehmen. Sie reagieren dann unruhig, zappeln herum, stören die Gruppe. Von den Kindern zu erwarten, dass sie sich regulieren und anpassen, bedeutet integrativ zu arbeiten. 

Der Maßstab ist dann ruhig am Stuhlkreis teilzunehmen und wir erwarten von den Kindern, dass sie unsere Norm erfüllen. Inklusive zu arbeiten würde in diesem Beispiel bedeuten, dass du wahrnimmst, dass der Stuhlkreis so wie er momentan verläuft nicht zu allen Kindern passt. 

In der Folge überlegt ihr, welche Lösungen es geben könnte. So wäre es denkbar, dass der Stuhlkreis auf freiwilliger Basis stattfindet oder dass andere Inhalte angeboten werden oder dass es mehrere Kreise gibt und jedes Kind entscheiden kann, ob und wo es teilnehmen möchte. 

Integrativ heißt folglich, dass das „abweichler“ Kind geduldet wird, Inklusion bedeutet dass die Situation so verändert wird, dass sie allen Kindern zugute kommt.

 

Kinder mit Handicap

Und das lässt sich dann eben auch auf Kinder mit Handicap ausweiten. Denn wenn alle Kinder unabhängig ihrer Geschichte und ihrer Fähigkeiten einfach als Kinder wahrgenommen werden und wenn die Erwachsenen gemeinsam daran arbeiten für alle Kinder einen großartigen Alltag zu erschaffen, dann spielt es doch gar keine Rolle, ob das nun ein „normales“ Kind ist, eines mit einer Sprachbarriere oder eines mit einem emotionalen, psychischen oder körperlichen Handicap. Das einzige das zählt ist, dass du jeden Tag dein Bestes gibst, diese Kinder in ihr eigenes Leben zu begleiten.

Dazu ist es dringend notwendig die Standards in den Kitas zu überdenken. Denn Menschen sind immer unterschiedlich. Und niemand kann alles und keiner kann nichts. Solange ihr konzeptionell aber noch bestimmte Standards festgelegt habt, was die Kinder am Ende der Kita-Zeit können sollen, dann wird Inklusion schwierig. Denn das bedeutet ja wieder Integration: Die Kinder alle an einem festgelegten Maßstab zu messen. 

 

Und was ist dann in der Schule?

Jetzt höre ich schon wie du sagen wirst – Aber die Schule! Und da antworte ich mit Armin Krenz, der festgelegt hat, dass der Erwerb der Schulfähigkeit ein Prozess ist, der bis zum Ende der Grundschulzeit andauert und der umso erfolgreicher verlaufen wird, je beziehungsfähiger die Lehrkräfte sind.

Denn das ist im Konzept der Inklusion der Dreh- und Angelpunkt: Die Beziehung zu jedem einzelnen Kind. Und die Erkenntnis, dass es kein richtiges und kein falsches Verhalten gibt. Denn Kinder brauchen vor allem eines: das Gefühl, dass sie gut sind, so wie sie sind. 

 

Was inklusiv Arbeiten bedeutet

Inklusiv zu arbeiten bedeutet, den Bedürfnissen aller Kinder den gleichen Stellenwert zu geben und einen Weg zu finden, wie diese Bedürfnisse bestmöglich erfüllt werden können. Überprüfe hier beispielsweise für dich mal, ob du auf Jungs, die mit Geschrei um den Tisch jagen, genauso reagierst, wie auf Mädchen die vergnügt am Basteltisch beschäftigt sind. 

Oder ob du die Jungs eher regulierst und einschränkst. Dann arbeitest du in diesem Moment nicht inklusiv. Denn beide Kindergruppen tun dasselbe: Sie versuchen sich zu bilden. 

Sie arbeiten an ihren individuellen Bedürfnissen und suchen nach Wegen, wie sie im Alltag in der Kita mit ihren eigenen Entwicklungsaufgaben zurecht kommen können. Und dabei gibt es keine richtigen oder falschen Bedürfnisse. Lediglich unterschiedliche.

Und hier liegt die Herausforderung von Inklusion: Nämlich das eigene Herz zu öffnen für jedes einzelne Kind und die Bereitschaft zu entwickeln voller Mitgefühl nach Wegen zu suchen, wie die individuellen Bedürfnisse der Kinder in der Kita Raum finden können. 

Natürlich bedeutet das auch, dass ihr im Team entscheiden müsst, für welche Kinder ihr unter Umständen zusätzliche Personalstunden benötigt und dann dafür zu sorgen, dass euer Personalschlüssel entsprechend aufgestockt wird. Auch das sind jedoch lediglich strukturelle Aspekte und unter dem Aspekt der Inklusion bedeutungslos. Denn Inklusion ist kein Wunsch, sie ist ein Menschenrecht.

„Fühlt im Herzen nur Liebe für andere. Je mehr ihr das Gute in ihnen seht, umso mehr werdet ihr euch selbst zum Guten ändern.“

Yogananda

Alles liebe für Dich und lass Dein Glück strahlen,

Deine Uli

Danke 🙂

…dass du dir die Zeit genommen hast, meinen Artikel zu lesen.

Hat er dir gefallen? Hast du eigene Erfahrungen dazu, oder eine Frage? Dann schreib´ uns hier in die Kommentare, das würde mich riesig freuen!

Und denk immer daran: Wenn die Erzieher glücklich sind, geht es den Kindern gut. Und gemeinsam schaffen wir eine Welt, in der es sich zu leben lohnt!

Ich wünsche Dir noch einen wunderschönen Tag!

unterschrift-uli

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  1. #042 – Ich bin anders als du bist anders als wir - Ich mag dich - so wie du bist - ubstairs - Fortbildungsinstitut - […] Weitere Infos rund um dieses Thema findest du im Blogartikel von dieser Woche: Blogartikel zur Inklusion in der Kita…

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Bild: © Uli Bott

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