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Wie wir unbewusst die Persönlichkeitsrechte der Kinder im Alltag verletzen - ubstairs - Fortbildungsinstitut

Wie wir unbewusst die Persönlichkeitsrechte der Kinder im Alltag verletzen

Hallihallo und herzlich Willkommen zum Artikel von dieser Woche!

Ich freue mich sehr, dass du da bist, dir die Zeit nimmst, diesen Artikel zu lesen. Und ich möchte danke sagen, danke, danke, danke. Ihr seid der Wahnsinn! Danke, dass ihr mein Buch lest, weiterempfehlt, verschenkt…

So schön, wenn ich zu euch in die Kitas komme und mir dann von allen Seiten entgegenschallt – ich lese dein Buch gerade als Nachtlektüre, ich hab´s schon gelesen, ich bin dran… so schön!

Und so viele von euch lesen das Buch, obwohl ihr mich noch nicht kennt. Ich freue mich so, dass das Buch mittlerweile schon über Wochen Amazon Bestseller ist, in der Kategorie Vorschulpädagogik und immer wieder auch in der Kategorie Karriere/Selbstmanagement.

Ich glaube fest daran, dass es uns gemeinsam gelingen kann, die öffentliche Aufmerksamkeit auf die frühkindliche Pädagogik zu lenken. Nicht durch Protest, sondern leise und liebevoll. Die Vorstellung ist einfach zu schön!

Damit wir alle zusammen dazu beitragen können, die Welt für Kinder schöner zu machen. Also falls du noch jemanden kennst, der von dem Buch profitieren könnte, tust du mir einen Riesengefallen, wenn du es weitersagst. Damit wir immer mehr und gaaaaanz viele werden.

Gebissen! Kind weint, weil es gebissen wurde

Jetzt komme ich jedoch zum Thema von dieser Woche.

Und zwar bekommt ihr jetzt Argumente an die Hand warum bedürfnisorientiertes Arbeiten richtig, wichtig und vom Gesetzgeber gewollt ist. Damit es dir in deiner Kita leichter fällt selbstbewusst den Blick auf die Bedürfnisse der Kinder zu lenken. Und um dir selber Orientierung zu geben.

Denn in der Pädagogik kursiert ja immer noch der Ansatz, dass man alles so oder auch anders sehen könnte. Und das stimmt zwar einerseits, andererseits wissen wir heute eben schon ganz gut, welche Auswirkungen welche Vorgehensweisen haben und heute bekommst du sogar eine gesetzliche Grundlage für bedürfnisorientiertes Arbeiten. Und los gehts!

 

Das Schutzkonzept in der Kita

Um sicherzustellen, dass das Wohl eines jeden Kindes gewahrt wird, erarbeiten viele Kitas derzeit ein sogenanntes Schutzkonzept. Hier wird einerseits festgehalten, wie Fachkräfte sich verhalten können, wenn der Verdacht auf Kindeswohlgefährdung im Elternhaus vorliegt. Dafür gibt es einen sogenannter Notfallplan.

Um diesen soll es jetzt aber nicht gehen.

Andererseits wird in einem Schutzkonzept niedergeschrieben, welche Verhaltensweisen in der Kita die persönlichen Rechte eines Kindes verletzen und worauf im erzieherischen Handeln im Alltag zu achten ist. Also wo erzieherisches Handeln grenzüberschreitend ist und wie pädagogische Fachkräfte erkennen können, ob ihr Handeln das Wohl des Kindes sichert.

Ich teile hier mit dir die Struktur eines Schutzkonzepts das ein großer Träger für seine Kitas entwickelt hat. Falls bei dir in der Kita noch kein Positionspapier hierfür erarbeitet wurde, hast du damit eine Orientierungshilfe an der Hand.

 

Welche Formen von grenzverletzendem Verhalten gibt es?

Um die Überschreitung der Persönlichkeitsrechte einzelner Kinder einschätzen zu können, werden drei Kategorien unterschieden.
Grenzüberschreitendes Erzieherverhalten liegt vor bei
unabsichtlichen Grenzverletzungen,
Übergriffen und
strafrechtlich relevanten Übergriffen

Was sich hinter diesen drei Kategorien verbirgt wollen wir uns jetzt mal genauer ansehen:

1. unbeabsichtige Grenzverletzungen

Das sind Verhaltensweisen, die respektlos sind und die persönlichen Grenzen der Kinder überschreiten, jedoch unbeabsichtigt erfolgen:
Hier werden körperliche, verbale und nonverbale Grenzüberschreitungen unterschieden.

Körperliche Grenzüberschreitungen finden beispielsweise statt, wenn das Kind beim Essen probieren muss, es ungefragt an den Tisch schiebst, wenn man dem Kind die Nase putzt oder den Mund abwischt, ohne es vorher um Erlaubnis zu fragen, das Kind auf den Schoß gezogen wird, o.ä.

Verbale unbeabsichtigte Grenzüberschreitungen liegen vor, wenn im Beisein des Kindes über das Kind gesprochen wird oder im Beisein von Kindern über ein anderes Kind gesprochen wird. Das Benutzen von Kosenamen gehört ebenso dazu wie Sarkasmus oder Ironie

Nonverbale Grenzüberschreitungen meint beispielsweise das Kind streng, böse oder abfällig anzuschauen, das Kind „stehenlassen“ – also sich abwenden, wenn das Kind etwas erzählt oder auch das Ignorieren von Kindern.

 

2. Übergriffe

Übergriffe sind Verhaltensweisen der Erwachsenen, die eine Grenzüberschreitung billigend in Kauf nehmen. Die übergriffige Person missachtet die Grenzen ihres Gegenübers sowie fachliche Standards.

Dazu gehören Verhaltensweisen, die zusammengefasst ein negatives Gefühl im Kind hervorrufen können. Das Ängstigen oder Bloßstellen, Schimpfen oder Beschämen eines Kindes gehört genauso dazu, wie das Hinwegsetzen über die Signale eines Kindes.

Körperliche Übergriffe beinhalten beispielsweise dass das Kind sitzen bleiben muss bis es aufgegessen hat oder alle Maßnahmen die unter den Begriff „eine Auszeit nehmen“ bekannt sind

Verbale Übergriffe liegen vor, wenn das Kind mit lauter Stimme oder barschem Ton angesprochen wird. Wenn das Kind geschimpft, beschämt oder im Befehlston angesprochen wird

Nonverbale Übergriffe zeichnen sich aus durch eine Abwertung des Kindes. Wenn man z.B. von einem Kind erwartet, dass es schwierig ist oder wieder tollpatschig. Nonverbale Übergriffe sind negative Erwartungen oder Zuschreibungen. Dazu gehört auch, dass Kinder vor anderen bloßgestellt werden oder unzureichend auf der Toilette / Wickeltisch versorgt oder dabei beschämt werden.

 

3. strafrechtlich relevante Vergehen

Hier handelt es sich um gewalttätige Übergriffe die wir landläufig eher mit Kindeswohlgefährdung in Zusammenhang bringen als die oben beschriebenen Grenzverletzungen

Hierzu gehören Tätigkeiten wie das Kind schlagen, treten, am Arm ziehen, gegen seinen Willen festhalten, zum Essen oder Schlafen zwingen, das Kind schütteln.

 

Was bedeutet das nun für den Alltag?

Für dich und deine Arbeit in der Kita sind vermutlich die ersten beiden Kategorien relevant. Zu bemerken wann unbeabsichtigte Grenzverletzungen oder auch Übergriffe in deinem Alltag geschehen. Damit du so dein eigenes Verhalten und das deiner KollegInnen besser reflektieren kannst. Ohne Vorwurf – nur ehrlich. Um dann gemeinsam überlegen zu können, wo ihr neue Wege finden dürft.

Denn wie schon in der Podcastfolge vom letzten Dienstag beschrieben, neigen wir oft dazu von Kindern „Gehorsam“ zu verlangen. Wir nennen das nicht so, wir sprechen dann davon, dass das Kind lernen muss sich einzufügen oder sich an Regeln zu halten.

Nur ausgehend vom Schutzkonzept kann keine Regel wichtiger sein als das Wohlergehen des einzelnen Kindes.

Hier dürfen wir veraltete Erziehungskonzepte hinterfragen und auf den Prüfstand stellen. Mir fallen da so Glaubenssätze ein wie: „Das Leben ist kein Ponyhof – müssen hat noch keinem geschadet“ oder „solange du die Füße unter meinen Tisch stellst…“

 

Erziehung früher und heute

Früher ist man davon ausgegangen, dass Kinder sich Erwachsenen unterzuordnen haben. Und wir, die Erwachsenen von heute sind mit diesen Memen aufgewachsen. Unbewusst wirken sie in vielen von uns fort.

Deshalb ist es so bedeutsam mit einem ganz klaren Blick das eigene Verhalten zu betrachten und zu überlegen, ob beim eigenen Handeln die Rechte der Kinder wirklich gewahrt werden oder ob wir nicht doch spätestens nach der dritten Aufforderung in Kauf nehmen das Kind zu schimpfen und so negative Emotionen in ihm hervorzurufen.

 

Würde ich das mögen?

Um zu erkennen, wie unser Verhalten auf die Kinder wirken kann, empfehle ich dir eine meiner Lieblingsfragen und zwar die Frage. „Würde ich das mögen?“ Denn wir selbst sind oft sehr empfindlich, wenn andere Menschen unsere Grenzen verletzen und wenn wir uns vorstellen andere Menschen würden so mit uns sprechen wie wir oft mit Kindern sprechen, dann würden viele von uns das nicht so gerne mögen.

 

Fragen über Fragen

Und natürlich dürfen und müssen wir hier an dieser Stelle anfangen Fragen zu stellen. Fragen, wie denn dann das Zusammenleben mit so vielen Kindern in der Kita gelingen kann. Und wie wir Kindern Regeln beibringen können. Wie Kinder lernen sich sozial zu verhalten und sich anzupassen.

Ich verspreche dir es geht. Es geht super entspannt, sehr liebevoll und wohltuend für alle. Denn niemand wird gerne geschimpft und niemand schimpft gerne. Denn im Grunde unseres Herzens wollen wir alle dasselbe: Wir möchten ehrliche, authentische und echte Verbindungen mit anderen Menschen erleben. Wir wollen uns wahrgenommen fühlen, wollen respektiert und geachtet werden. Und vor allen Dingen wollen wir glücklich sein.

Nächste Woche geht es dazu im Podcast weiter und bis dahin wünsche ich dir alles Liebe und wenn du für dich einfach ein bisschen glücklicher und entspannter sein möchtest und einfach mal nur dich an die erste Stelle stellen willst, dann lade ich dich herzlich ein zu unserem ersten Stressfrei und gelassen Seminar am 11.11.17 in Hofheim. (Hier geht´s zur Infoseite zum Seminar!)

Das wird ein so gigantisch fantastischer Tag für alle Sinne – zum Wohlfühlen, Auftanken und einander gut tun. Ich würde mich so freuen, wenn du dabei bist. Vor allem würde ich mich freuen, wenn du es dir wert bist.

Lass Dein Glück strahlen!

Deine Uli

Danke 🙂

…dass du dir die Zeit genommen hast, meinen Artikel zu lesen.

Hat er dir gefallen? Hast du eigene Erfahrungen dazu, oder eine Frage? Dann schreib´ uns hier in die Kommentare, das würde mich riesig freuen!

Und denk immer daran: Wenn die Erzieher glücklich sind, geht es den Kindern gut. Und gemeinsam schaffen wir eine Welt, in der es sich zu leben lohnt!

Ich wünsche Dir noch einen wunderschönen Tag!

unterschrift-uli

3 Kommentare

  1. Martina

    Lieber Uli,

    ein sehr schön geschriebener Artikel, der zum Nachdenken anregt 🙂

  2. Sabine Stöcker

    Liebe Uli, ich habe bis 30.09. in einer Kita gearbeitet, wo ein verhaltensauffälliges Kind meiner Meinung nach völlig falsch und menschenverachtend behandelt wurde. Dieses Verhalten der Leitung und Kolleginnen hat mich richtig krank gemacht. Ich habe dort erst im April angefangen… und mich dann mehrfach über diese nicht vorhandene Wertschätzung dieses Kindes beschwert. Ich habe sogar angeregt, dem kleinen Kerl ein I-Kraft zur Seite zu stellen…. Als Antwort darauf bekam ich zu hören: „Damit würden wir das negative Verhalten des Jungen ja nur bestärken! Damit meint er ja dann erst Recht, King Luis zu sein“….. Ich habe es nicht mehr ausgehalten und versucht, mir vom Arbeitsamt und sogar der Gewerkschaft Rat und Hilfe zu holen. Eine sehr nette Dame beim Arbeitsamt riet mir, mich krank schreiben zu lassen. Mit einer ärztlichen Bescheinigung, dass eine Weiterbeschäftigung an diesem Arbeitsplatz für mich nicht gut sei, könne ich dann beruhigt selbst kündigen, ohne eine Sperre für Leistungen befürchten zu müssen. Mein Arzt (ich muss dort regelmäßig hin, da ich Asthma und mehrere Allergien habe) hat natürlich bemerkt, dass es mir seit einiger Zeit nicht gut ging…. er hat mich den gesamten September krank geschrieben. Selbst kündigen musste ich dann zum Glück nicht, mir wurde, da noch Probezeit bestand, vom Träger gekündigt. Ich habe dann noch beim Jugendamt angerufen und meine Sorgen und Nöte geschildert….. aber dort riet man mir von einer direkten Anzeige ab, da ich dann wohl nie mehr eine Stelle hier im Kreis finden würde.
    Der Junge, um den es sich handelt, hatte mehrmals regelrechte Ausraster. Auslöser für seine Aggressionen (Beißattacken, Geschrei, Treten, Hände um den Hals anderer Kinder und der Erzieher legen usw) konnten verschiedenster Natur sein: Freund A wollte nicht mehr malen, das Kind selbst wollte nicht aufräumen, sondern lieber weiter basteln, es gab Streit um Spielzeuge usw. usw. usw.
    Mir hat dieses Kind nie weh getan – ich habe ihn, wenn er am „wüten“ war, einfach in den Arm genommen…. und festgehalten. Wollte er mich beißen, hab ich ihm gesagt, dass ich zurück beißen würde…. er hat nie gebissen. Ich bin immer ruhig und leise geblieben. Habe ihn gefragt, was denn los sei. Später, wenn er wieder „normal“ war, konnte er zwar sagen, dass er total ausgerastet war, aber nicht, warum ihm das so häufig passiert.
    Mir wurde später von der Leitung direkt verboten, mich mit dem Jungen in 1 zu 1 Betreuung (!) zu befassen! Auch durfte er sich nicht neben mich setzen, wenn ich im Kunstraum etwas am vorbereiten war. Auf den Schoß nehmen war sowieso verboten.
    Habe ich denn wirklich alles falsch gemacht mit dem kleinen Kerl? Ich finde nein! Wenn er in meinem Raum war, kam es nie zu Übergriffen… denn wenn ich bemerkt habe, dass er kurz vorm „Überkochen“ war, gab ich ihm Aufgaben! Er war sehr hilfsbereit und hat unheimlich gern kleine Aufträge ausgeführt…..
    Mir tut insbesondere dieser Junge leid, der häufig an Händen und Füßen von zwei Erzieherinnen über den Flur in ein leeres Zimmer geschleppt wurde…. auch vor Eltern! Diese Erzieherinnen haben sogar oft die Tür zugehalten….
    Ich konnte da wirklich nicht mehr arbeiten und hoffe, dass diesem Kind bald geholfen wird. Angeblich ist er bei einem Psychologen in Behandlung. Aber dieser Psychologe soll diese Form von „Behandlung“ gut heißen…DAS kann und will ich nicht glauben.

    So. Das musste mal raus. Der Artikel war einfach genau das, was meine „verletzte Erzieherseele“ brauchte…. Danke dafür!

    • Uli Bott

      Liebe Sabine!
      Ich drücke dir die Daumen, dass du ganz schnell eine andere, fröhliche Stelle findest. Du kannst das selber mit beeinflussen, indem du dir vorstellst, wie du gerne arbeiten möchtest. Und wenn du magst achte mal auf deine Gedanken! Wie oft am Tag denkst du, das irgendetwas blöd ist, oder unfair oder doof… und wann freust du dich über Kleinigkeiten? Je öfter du positiv denkst, desto größer die Chance eine ganz ganz tolle und liebevolle Kita zu finden. Denn du weißt ja wie das ist: deine Gedanken von heute gestalten deine Zukunft. Das was du heute erlebst ist das Resultat dessen, was du gestern gedacht hast. Und darin liegt eine wunderbare Chance: nämlcih morgen etwas anderes erleben zu können. Wir haben es immer selbst in der Hand! Viel Glück dabei! Herzliche Grüße Uli

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Und hier geht´s zum einzigen deutschen Podcast für pädagogische Fachkräfte:


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