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Das hat mir auch nicht geschadet - ubstairs - Fortbildungsinstitut

Das hat mir auch nicht geschadet

Hallihallo und herzlich Willkommen zum Artikel von dieser Woche!

Ich hoffe es geht dir wundervoll – ich habe eben noch ein traumhaftes Herbstwochenende aus vollen Zügen genießen können! Und bin aufgetankt mit Licht, Wärme und Farben für die nächste Woche! Kennst Du das auch?

Wie in dem Bilderbuch von Frederik der Maus, in dem Frederik davon erzählt, dass er Sonnenstrahlen sammelt und die Farben des Sommers und Licht und Wärme für die kalten Wintertage. Zu Beginn erntet er jedoch nur Missfallen seiner Mäusefreunde, weil er nicht mithilft beim Vorräte sammeln, sondern in Gedanken verweilt.

Als es dann aber Winter wird und die Vorräte zur Neige gehen, da erinnern sich die Mäuse an Frederick Geschichten und fragen danach und er erzählt und erzählt und erzählt, bis den Mäusen ganz warm ums Herz wurde.

Und die ganze Mäusefamilie kann den kalten Winter dank Frederick Geschichten viel leichter ertragen. Hätte sie Frederick dagegen gezwungen beim Vorräte sammeln zu helfen, hätte es keine Geschichten gegeben – der Winter wäre lang und grau und kalt geworden.

Gebissen! Kind weint, weil es gebissen wurde

Doch was hat das jetzt mit dem Thema von heute zu tun?

Richtig oder falsch –

was auf den ersten Blick falsch aussieht, muss noch lange nicht falsch sein. Und andersherum.

Ich werde in meinen Fortbildungen in den letzten Wochen immer und immer wieder mit dem Satz: „Das hat mir auch nicht geschadet!“ konfrontiert. Besonders im Zusammenhang mit Essen in der Kita. Und das war der Grund dafür, dass ich mich jetzt mal im Blog an dieses häufig heikle Thema herantraue.

Essen ist einfach deshalb so heikel, weil es so essentiell ist – einerseits und weil andererseits jeder von uns mit seinen eigenen Werten und Normen konfrontiert und aufgewachsen ist. Es gibt nur wenige Themen in der Kita, die im Zusammenhang mit bedürfnisorientierter Pädagogik so heiß diskutiert werden.

Im Zusammenhang mit dem Thema Essen gibt es aus meiner Sicht verschiedene Aspekte, die zu betrachten sind: Erstens Essmanieren und zweitens Essen an sich und drittens ressourcenschonendes Verhalten. Wir starten hier zuerst mal mit dem Essen an sich.

 

Essen in der Kita

Als erstes möchte ich daran erinnern, dass wir in Deutschland glücklicherweise keinen Hunger leiden. Unser Problem liegt definitiv nicht in der Unterernährung. Auch wenn unser Stammhirn immer noch befürchtet, dass wir verhungern könnten – dem ist nicht so. Ganz im Gegenteil wir wissen alle, dass der Anteil der übergewichtigen Kinder Jahr für Jahr steigt (In D sind aktuell ca. 15% aller Kinder übergewichtig – 1975 waren es 3%).

Natürlich ist es richtig, dass Kinder genug Bewegung und gesunde Ernährung benötigen. Was sie allerdings auch brauchen ist ein gesundes Körperempfinden. Also ein Gefühl dafür, was ihr Körper in welcher Menge zu welcher Zeit benötigt. Denn wir wissen alle, dass man auch dick werden kann, wenn man zu viel Vollkorn-Bio-Produkte konsumiert.

Um ein gesundes Körperempfinden entwickeln oder behalten zu können, ist es zunächst wichtig, dass das Kind selbst entscheiden kann, was es wann isst. Natürlich ist das in der Kita immer nur im Rahmen der Möglichkeiten leistbar. Und dennoch gibt es mehr und mehr Kitas, die ein Frühstücks- und auch ein Mittagsbuffet anbieten. Hier können die Kinder in einem festgelegten Zeitraum selbst entscheiden, wann sie essen wollen.

 

Dürfen Kinder keinen Hunger haben?

Ja selbstverständlich! Genauso wie wir nicht gezwungen oder überredet werden wollen, etwas zu essen, ist es auch ein Kinderrecht sich selbst für oder gegen Essen entscheiden zu können. Stell dir dazu gerne mal vor, wie unangenehm es bei manchen Verwandten ist, wenn man immer wieder gefragt wird, ob man nicht doch noch ein Stückchen Torte essen möchte. Obwohl man schon längst satt ist. Natürlich kann ich das Kind erinnern oder auch mal nachfragen. Nur wenn das Kind klar entschieden hat, keinen Hunger zu haben, dann darf es weiter spielen. Dann muss es weder überredet werden, noch muss es mit am Tisch sitzen. Darf es natürlich, muss es aber nicht.

 

Was passiert, wenn das Kind nicht frühstückt und dann später Hunger bekommt?

Heißt das dann Pech gehabt und warten? Nein, das wäre doch grausam. Dann soll das Kind halt in sein Brot beißen oder es bekommt etwas Rohkost oder wie auch immer. Denn hungern lassen geht gar nicht. Gleichzeitig kann ich das Kind darauf hinweisen, dass es morgen doch beim Frühstück schon mal achtsam sein kann, ob es nicht vielleicht mit uns anderen essen möchte.

Und in den meisten Kitas sind die Abstände zwischen den verschiedenen Mahlzeiten doch überschaubar. So dass ein Kind, das eine Mahlzeit auslässt, bei Zeiten wieder die Möglichkeit hat etwas zu verzehren. Essen auf Vorrat funktioniert eben nicht, weil dann das eigene Hungergefühl übergangen wird.

 

Was sagen die Eltern

Viele Fachkräfte argumentieren, dass die Eltern das Essen schließlich bezahlen. Da müssten die Kinder doch auch essen. Meine Antwort darauf ist ganz klar „Nein“. Du bist nicht dazu da, ein Kind zum Essen zu überreden oder gar zu zwingen. Dabei handelt es nämlich auch mindestens um ein grenzüberschreitendes Verhalten wenn nicht sogar um einen Übergriff. Das kannst du gerne hier nachlesen: Wie wir die Persönlichkeitsrechte der Kinder verletzen

Manche Kitas bieten den Eltern an, das vom Kind nicht gegessene Essen mitzugeben.

 

Fazit Nummer 1: Das Kind entscheidet wann es essen möchte

Dürfen Kinder entscheiden, was sie essen?

Ja natürlich! Denn nur das Kind selbst kann wissen, was es jetzt gerade braucht. Auch das ist in der Kita nur im Rahmen der Möglichkeiten leistbar. Doch wenn es drei Komponenten zur Hauptspeise gibt, kann darf und muss das Kind wählen, was davon es gerne essen möchte. Gesunde Ernährung darf niemals wichtiger sein als das Wohlergehen aller, die am Tisch sitzen. Das bedeutet, dass das Kind entscheidet, was auf seinem Teller landet und was es davon verzehren möchte.

 

Aber: Gesunde Ernährung ist wichtig

Die allermeisten Kinder essen sehr gerne rohes Gemüse. Oder Mahlzeiten, in denen die Bausteine nicht miteinander vermischt sind. Eventuell wählen die Kinder anders, wenn die Zusammensetzung des Essens kindorientierter ist. Probier doch einfach mal aus, wieviel Gemüse gegessen wird, wenn du immer einen Teller mit Rohkost anbietest.

Laut Jesper Juul gehen Phasen extremer Nahrungsspezialisierung um so schneller vorbei, je weniger Beachtung sie finden. Dann soll das Kind halt nur trockene Nudeln essen.

Natürlich gibt es immer auch abgezählte Speisen wie Frikadellen. Da gibt es dann für jedes Kind seine Portion und falls etwas übrig bleibt, kann ein Kind auch noch Nachschlag bekommen, ansonsten kann es wählen, ob es dann satt ist oder doch noch Beilagen isst.

 

Wie ist das mit dem Probierklecks?

Grundsätzlich gilt: Das Kind entscheidet, was auf seinem Teller landet. Das bedeutet, dass du gerne dem Kind eine Speise anbieten und es fragen kannst, ob es das probieren möchte. Wenn das Kind verneint, lass es in Ruhe. Alleine schon ein „ekliger“ Probierklecks kann dem Kind das ganze Essen verderben. Oder wie würdest du dich fühlen, wenn ich dir ungefragt eine gebratene Meerschweinchenpfote auf den Teller legen würde? Oder eine frittierte Heuschrecke?

 

Fazit Nummer 2: Das Kind entscheidet was es isst

An dieser Stelle höre ich häufig, dass uns das auch nicht geschadet hätte. Doch woher wollen wir das wissen? Es hat uns nicht umgebracht, das ist klar. Nur woher nehmen wir die Gewissheit, dass es uns nicht geschadet hat. Ich erlebe Kinder als unglaublich anpassungsfähig. Kinder hinterfragen nicht, sie nehmen hin. Und die Anzahl der psychisch erkrankten Erwachsenen steigt stetig. Viele Erwachsene machen eigene Kindheitserlebnisse für heutige Probleme verantwortlich.

Wenn wir die Generation unserer Eltern oder Großeltern, die Nachkriegsgeneration in den Blick nehmen, dann fällt doch häufig auf, dass diese Menschen sich häufig eher schwer tun, beispielsweise ihre Gefühle zu zeigen. Gerade die Männer. Und die Vorgabe jener Jahre war: Jungs weinen nicht. Da springt einem doch ein Zusammenhang zwischen Erzieherverhalten und heutigem Erleben ins Auge, oder?

Genauso können wir nicht wissen, was uns geschadet oder eben nicht geschadet hat. Deshalb finde ich es viel sinnvoller zu überlegen, ob ich das mögen würde, was ich von Kindern erwarte. Und wenn ich bemerke, dass ich keine Schnecke essen wollen würde, dann lasse ich den Kindern eben auch den Freiraum zu entscheiden, ob sie Brokkoli mögen. Und du wirst zweifelsfrei Erwachsene finden, die Brokkoli genauso eklig finden wie Schnecken.

In diesem Sinne wünsche ich dir viel Freude beim drüber nachdenken, dich angeregt oder bestätigt fühlen und viel Spaß beim entspannter sein. Mit dir und mit den Kindern!

Entspanne dich. Lass das Steuer los.

Trudle durch die Welt. Sie ist so schön.(Kurt Tucholsky)

Mehr Input zum Entspannter sein bekommst du bei unserem ersten Stressfrei Seminar am 11.11.17! Mehr Infos bekommst du hier:  „Stressfrei und gelassen“ – Seminar am 11.11.17 Wir freuen uns, wenn du dabei bist!

Auch wenn der Artikel schon extra lang ist möchte ich dennoch nochmal Danke sagen. Danke an alle Buchkäufer, Buchleser und Weiterempfehler! Ihr seid der Knaller! Jetzt ist das Buch drei Monate auf dem Markt und die 1. Auflage ist verkauft. Die 2. Auflage wird gedruckt! Danke!

Danke 🙂

…dass du dir die Zeit genommen hast, meinen Artikel zu lesen.

Hat er dir gefallen? Hast du eigene Erfahrungen dazu, oder eine Frage? Dann schreib´ uns hier in die Kommentare, das würde mich riesig freuen!

Und denk immer daran: Wenn die Erzieher glücklich sind, geht es den Kindern gut. Und gemeinsam schaffen wir eine Welt, in der es sich zu leben lohnt!

Ich wünsche Dir noch einen wunderschönen Tag!

unterschrift-uli

2 Kommentare

  1. Verena

    Liebe Uli,
    du sprichst mir mit deinem Blogartikel aus der Seele!!! Vieles von dem was du schreibst setzen wir bereits bei uns in der Kita um. Besonders bewährt hat es sich wirklich einen Zeitraum anzubieten, in dem die Kinder die Möglichkeit haben selbst zu entscheiden, wann sie Hunger haben und essen möchten. Dennoch kollidiert das Thema Mittagessen bei uns im Team immer wieder mit den „alten“ Vorstellungen mancher Kolleginnen. Und ich werde den Artikel ausdrucken und hoffe, dass es ein bisschen Input und Inspiration bei uns stiften wird, sich weiter mit der Thematik auseinanderzusetzen. Liebe Grüße Verena

    • Bernd Bott

      Liebe Verena,
      danke für deinen lieben Kommentar! Ich habe ihn Uli weitergeleitet und sie hat sich sehr gefreut und möchte sich auf diesem Weg bei Dir dafür bedanken!

      Alles Liebe für Dich,

      Bernd

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  1. „Was Hänschen nicht lernt - lernt Hans nimmermehr!" - Essen und Tischmanieren in Krippe und Kita - ubstairs - Fortbildungsinstitut - […] bist! Heute geht es weiter mit der Reihe über das Essen in der Kita. Wenn du den Artikel “Das…

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Bild: ©Q / fotolia.com

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